Werkverzeichnis Stobwasser

Ludwig Kraegelius

Lackierte Waren hatten sich in der zweiten Hälfte des 18. und zu Beginn des 19. Jahrhunderts zu begehrten Artikeln entwickelt. Mit dem wachsenden Erfolg der Manufaktur Stobwasser entstanden in Braunschweig zunehmend konkurrierende Betriebe. Zunächst ging diese Konkurrenz vor allem von Malern und Lackierern aus, die bei Stobwasser ausgebildet worden waren oder dort gearbeitet hatten. Eine neue Dimension erreichte sie 1791 mit zwei eigenständigen Unternehmen: dem Zinngießer Christian Wilhelm Ludwig Kraegelius, in der Lackliteratur meist Ludwig Kraegelius genannt, und dem ehemaligen Perückenmachermeister Heinrich Ludwig Evers . Stobwasser versuchte wiederholt, die Entstehung und Ausweitung beider Betriebe unter Berufung auf seine Privilegien einzuschränken.

Die genauen Lebensdaten Ludwig Kraegelius’ sind bislang nicht sicher bekannt. Die auf den Archivalien der Braunschweiger Zinngießergilde beruhende Meisterliste des Städtischen Museums nennt ihn jedoch mit seinem vollständigen Namen Christian Wilhelm Ludwig Kraegelius und weist seine Tätigkeit als Braunschweiger Zinngießermeister vom 1. Dezember 1788 bis zum 11. Februar 1824 nach.

Trotz der Einwände Stobwassers erhielt Kraegelius im August 1791 die Konzession zur Einrichtung einer Fabrik für lackiertes Zinngerät und richtete seinen Betrieb in der Braunschweiger Wendenstraße ein. Die Genehmigung war zunächst ausdrücklich auf Arbeiten aus Zinn beschränkt; eine Ausweitung der Lackwarenproduktion auf andere Werkstoffe war ihm nicht gestattet. Bereits im September desselben Jahres erlaubte ihm die Obrigkeit, „die in seiner Fabrik lakirten Zinngeräthe mit dem Stempel ‚L. K. London‘“ zu kennzeichnen.

Die Bezeichnung „London“ bedeutete dabei nicht, dass die Waren in London hergestellt worden waren. Bei kontinentalen Zinnarbeiten wurde „London“ als Qualitätsbezeichnung verwendet und verwies auf das besonders geschätzte englische Zinn beziehungsweise auf einen daran orientierten Qualitätsstandard. In Braunschweig lässt sich die Bezeichnung in Verbindung mit Meistermarken bereits seit etwa 1760 nachweisen; solche Marken waren auch außerhalb Englands verbreitet.

Die Konkurrenz zwischen Stobwasser und Kraegelius beschränkte sich nicht auf die Waren selbst. Beide Unternehmen bemühten sich um qualifizierte Arbeitskräfte. Um das gegenseitige Abwerben einzudämmen, verfügte der Herzog, dass Beschäftigte beim Wechsel von einer Fabrik zur anderen eine zweijährige Wartezeit einhalten mussten. Zugleich versuchte die Obrigkeit, die Tätigkeitsbereiche der konkurrierenden Unternehmen voneinander abzugrenzen.

Metronom
Tabakstopf, Zinn und Zinkguß, Dekor in Öl-Lackmalerei. Braunschweig, Manufaktur Kraegelius, um 1820; Braunschweig, Privatsammlung. Objekt aufrufen

Die Auseinandersetzungen hielten dennoch an. Kraegelius weitete seine Produktion über das ursprünglich genehmigte Zinngerät hinaus auf Blech und Papiermaché aus. Stobwasser beantragte daraufhin sogar den Entzug seiner Konzession. Da beide Unternehmen inzwischen wirtschaftliche Bedeutung für Braunschweig besaßen, war die Regierung jedoch an ihrem Fortbestand interessiert. 1793 ermahnte Herzog Carl Wilhelm Ferdinand die Konkurrenten, ihre fortdauernden Beschwerden einzustellen und ihre Sortimente stärker voneinander abzugrenzen. Die Produktion von Kraegelius entwickelte sich dennoch zunehmend in Bereiche hinein, die auch Stobwasser bediente.

Die Konkurrenz zwischen Stobwasser und Kraegelius zeigte sich nicht nur im Warenangebot, sondern auch bei der Suche nach qualifizierten Arbeitskräften. Dem gegenseitigen Abwerben begegnete der Herzog mit der Anordnung, dass Beschäftigte beim Wechsel von einer Manufaktur zur anderen mindestens zwei Jahre pausieren mussten.

Trotz der anhaltenden Auseinandersetzungen entwickelte sich die Fabrik von Kraegelius erfolgreich. Um 1800 beschäftigte sie bereits etwa 50 Personen und gehörte damit zu den größeren Braunschweiger Lackwarenherstellern. Ein Produktverzeichnis von 1808 zeigt, wie stark sich das Sortiment inzwischen erweitert hatte. Neben Zinn wurden nun auch Blech- und Eisenwaren lackiert; das Angebot war in seiner Breite mit demjenigen Stobwassers vergleichbar. Es umfasste unter anderem Tischplatten, Präsentierteller, Samoware, Kästchen, Leuchter, Uhren, Vasen, Tabaksdosen, Blumenübertöpfe und Tischbrunnen.

Den Schwerpunkt der Manufaktur bildeten jedoch weiterhin Arbeiten aus Zinn und Weißblech. Die Erzeugnisse der verschiedenen Braunschweiger Lackwarenhersteller konnten in ihrer malerischen Qualität einander sehr nahekommen, nicht zuletzt weil freischaffende Maler für mehrere Manufakturen tätig waren. Für Kraegelius’ Arbeiten wurde insbesondere der feine, häufig durch Vergoldungen akzentuierte Dekor hervorgehoben.

Nach dem Tod Ludwig Kraegelius’ führte seine Witwe die Fabrik in der Wendenstraße noch einige Jahre weiter. Nach ihrem Tod 1830 wurde das Unternehmen innerhalb der Familie fortgeführt. Der in älteren Darstellungen lediglich als „Ferdinand Kraegelius“ bezeichnete Nachfolger lässt sich in der Braunschweiger Zinngießer-Meisterliste genauer als Christian Friedrich Ferdinand Kraegelius fassen. Er war bereits seit 24. September 1821 als Zinngießermeister nachweisbar und blieb dies bis 1841. Spätestens 1835 führte er auch die Lackwarenfabrik weiter.

1841 wurde die Manufaktur Kraegelius liquidiert. Damit endete nach rund fünf Jahrzehnten eines der wichtigsten Braunschweiger Konkurrenzunternehmen der Lackwarenmanufaktur Stobwasser.

Dem ständigen Abwerben von Arbeitskräften begegnete der Herzog, indem er verfügte, dass die von einer zur anderen Firma wechselnden Arbeitskräfte mindestens zwei Jahre pausieren müssten. Zudem ermahnte man die Konkurrenten, ihre Produktpalette aufeinander abzustimmen und fortdauerndes Klagen zu unterlassen.

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