Werkverzeichnis Stobwasser

Heinrich Ludwig Evers

Wie Kraegelius begann im Jahre 1791 mit Heinrich Ludwig Evers , einem ehemaligen Perückenmachermeister aus Braunschweig, ein weiterer Konkurrent Stobwassers mit der Herstellung lackierter Waren. Seine genauen Lebensdaten sind bislang nicht sicher belegt; nachweisbar ist sein Tod im Jahr 1822. Evers richtete seinen Betrieb in der Braunschweiger Ritterstraße ein und löste damit besonders heftige Auseinandersetzungen mit Stobwasser aus.

Nachdem Evers Herzog Carl Wilhelm Ferdinand um eine Konzession zur Einrichtung einer Lackierfabrik ersucht und dafür Arbeitsproben eingereicht hatte, wurden diese Stobwasser zur Begutachtung vorgelegt. Stobwasser wandte sich gegen die Zulassung des neuen Unternehmens und machte geltend, dass die zusätzliche Konkurrenz seinen Betrieb wirtschaftlich gefährden und zur Entlassung von Mitarbeitern führen könne.

Evers erhielt zunächst lediglich die Erlaubnis, „ausschließlich Mahler-Arbeiten auf Bestellung hin“ auszuführen und zu lackieren. Da er sich nicht an diese Beschränkung hielt, wurde sein Lackierofen behördlich versiegelt. Die Auseinandersetzungen zwischen Evers, Stobwasser und den zuständigen Behörden setzten sich dennoch fort. Hinzu kamen Konflikte mit der Tischlerinnung: 1792 zerstörten Tischler seine Werkstatteinrichtung, nachdem Evers entgegen den geltenden Zunftbestimmungen einen Zimmergesellen mit Tischlerarbeiten beschäftigt hatte.

Trotz dieser Schwierigkeiten führte Evers die Produktion weiter und erreichte mit seinen Waren eine beachtliche Qualität. In der Feinheit der Ausführung blieben sie nach zeitgenössischer Einschätzung zwar hinter den Arbeiten Stobwassers zurück, konnten ihnen insgesamt jedoch durchaus zur Seite gestellt werden. Ein Preisverzeichnis belegt ein umfangreiches Sortiment, das in seiner Vielfalt dem Angebot Stobwassers ähnelte. Es umfasste unter anderem Präsentierteller, Tabletts, Tische, Kaffee- und Teekannen, Vasen, Leuchter, Tabaks- und Schnupftabaksdosen sowie Lampenfüße.

Auch der Wettbewerb um qualifizierte Arbeitskräfte verschärfte die Auseinandersetzungen. Evers warb Maler anderer Betriebe ab, während gleichzeitig weitere Beschwerden der Tischlerinnung gegen seine Arbeitsweise erhoben wurden. Ende 1792 verlegte er seine Produktion schließlich von Braunschweig nach Wolfenbüttel. Dort stellte ihm der Rat der Stadt ein Haus am Schlossplatz zur Verfügung, in dem Evers die Herstellung lackierter Waren erfolgreich fortsetzen konnte.

Schlossplatz Wolfenbüttel
Schnupftabaksdose mit „Der Schloßplatz von Wolfenbüttel“, Papiermaché mit Öl-Lackmalerei, Wolfenbüttel, Manufaktur Evers, um 1810; Wolfenbüttel, Schlossmuseum. Objekt aufrufen

In Wolfenbüttel entwickelte sich die Manufaktur zu einem größeren Unternehmen. Um 1800, auf dem Höhepunkt ihrer Entwicklung, beschäftigte sie etwa 60 Personen. Evers hatte sich damit trotz der schwierigen Anfänge in Braunschweig als bedeutender Hersteller von Lackwaren in der Region etabliert.

Früchtekorb
Früchtekorb mit vergoldeten Schwänen, Weißblech und Zinkguss, Dekor in Öl-Lackmalerei, Wolfenbüttel, Manufaktur Evers, um 1800; Wolfenbüttel, Schlossmuseum. Objekt aufrufen

Nach dem Tod Heinrich Ludwig Evers’ im Jahr 1822 führte sein Schwiegersohn Georg Bratenahl die Produktion unter der Firmierung „Heinrich Ludwig Evers Nachfolger“ weiter. Mit dieser Nachfolgezeit wird auch die in Schnupftabaksdosen vorkommende Signatur „EvN“ in einem Oval in Verbindung gebracht. Ein Rapport von 1829 nennt noch immer 31 Beschäftigte, sodass die Manufaktur auch mehrere Jahre nach Evers’ Tod einen beträchtlichen Umfang besaß.

In den folgenden Jahren verlor das Unternehmen jedoch an Bedeutung. 1838 wurde die Lackwarenfabrik liquidiert. Im August 1839 wurden im Herzoglichen Schloss in Wolfenbüttel die noch vorhandenen Bestände der inzwischen als ehemalige Evers’sche Lackierfabrik bezeichneten Manufaktur öffentlich versteigert. Zum Angebot gehörten lackierte Waren mit und ohne Malerei, Rohmaterialien aus Zinn, Messing, Blech und Pappe sowie Gemälde, Kupferstiche und Möbel. Damit endete nach fast fünf Jahrzehnten die Geschichte der Lackwarenmanufaktur Evers.