Die Lackwarenmanufaktur Stobwasser unter Christian H. E. Stobwasser
STOBWASSER, Christian Heinrich Eustachius (Braunschweig 1780-1849 Berlin), Lackwaren- und Lampenfabrikant
Christian Heinrich Stobwasser wurde am 8. Juli 1780 in Braunschweig als Sohn Johann Heinrich Stobwassers und Sophie Elisabeth Gerstings geboren. Seine Erziehung war stark von der Herrnhuter Brüdergemeine geprägt. Zunächst schlug auch er einen theologischen Bildungsweg ein, trat jedoch im Alter von 19 Jahren in das väterliche Unternehmen ein. Zur weiteren Ausbildung sandte ihn sein Vater unter anderem nach England. 1808 heiratete er Julie Charlotte Louise Natorp (1790–1865); aus der Ehe gingen acht Kinder hervor. Seit 1810 leitete Christian Heinrich die Betriebe in Braunschweig und Berlin.

Christian Heinrich, der die Leitung der Braunschweiger Manufaktur 1818 seinen Mitarbeitern August Wilhelm Meyer und Carl Friedrich Wried übertragen hatte und daraufhin mit seiner Familie nach Berlin übersiedelte, widmete sich nun in besonderem Maße dem Berliner Unternehmen. Dort befand sich die weiterhin weitgehend handwerklich produzierende Manufaktur in der Wilhelmstraße Nr. 82, das Verkaufsgeschäft hingegen in der vornehmen Geschäftsstraße Unter den Linden Nr. 32.
Im Jahre 1831 trennte der Fabrikant sich von der Braunschweiger Manufaktur, indem er sie an Meyer und Wried verkaufte. Diese firmierten ab 1832 als „Stobwassers Nachfolger Meyer & Wried“ und führten das Unternehmen auf gewohnt hohem Niveau bis 1856 weiter.
Unter Christian Heinrichs Leitung baute das Berliner Unternehmen seine führende Rolle in diesem Industriezweig unter der Bezeichnung „Christian Heinrich Stobwasser u. Comp.“ kontinuierlich aus. Hohe Auszeichnungen auf Gewerbe- und Industrieausstellungen zeugen von der Qualität seiner Waren; so erhielt die Manufaktur 1823 und 1827 Goldene Gedenkmünzen auf den Berliner Gewerbeausstellungen. Christian Heinrich unterhielt engen Kontakt zu führenden Kreisen der Berliner Gesellschaft. 1830 ernannte ihn die Berliner Kunstakademie zum „Akademischen Künstler“. 1844 wurde er in den Vorstand des preußischen Vereins zur Beförderung des Gewerbefleißes gewählt und mit dem Roten Adler-Orden 3. Klasse ausgezeichnet.
Namhafte Künstler arbeiteten für das Unternehmen, darunter Friedrich Georg Weitsch (1758–1828), Ludwig Catel (1778–1856) und Heinrich Stürmer (1774–1855). Auch Friedrich Schinkel (1781–1841) lieferte Entwürfe für Stobwasser. Herausragende Arbeiten entstanden zudem für verschiedene Fürstenhöfe, darunter Ausstattungsgegenstände für den preußischen Hof sowie ein dreiteiliger Kaminschirm für Kurfürst Wilhelm II. von Hessen-Kassel.
Den wirtschaftlichen und technischen Veränderungen der Zeit folgend, weitete die Manufaktur bereits seit dem ersten Viertel des 19. Jahrhunderts ihre Produktpalette neben Lackarbeiten auf Lampen und Lampengestelle aus. In den folgenden Jahrzehnten gewann dieser Produktionszweig zunehmend an Bedeutung. Bis zur Mitte des Jahrhunderts hatte die Lampenherstellung die traditionelle Lackwarenproduktion bereits überflügelt.
Christian Heinrich Stobwasser starb am 5. August 1849 in Berlin. Sein Sohn Gustav Stobwasser (1816–1898), der bereits seit 1845 bevollmächtigter Teilhaber des väterlichen Unternehmens war, führte die Firma weiter. Später wurde das Unternehmen in eine Aktiengesellschaft umgewandelt und firmierte als „Berliner Lampen- und Bronzewaaren-Fabrik, vorm. C. H. Stobwasser & Co. Actien-Gesellschaft“.
Unter Gustavs Leitung setzte sich der bereits unter seinem Vater begonnene Wandel des Unternehmens fort. Neben den weiterhin hergestellten Lackwaren trat die industrielle Produktion von Lampen und Beleuchtungsgeräten immer stärker in den Vordergrund. Mit der Umstellung ging ein erhebliches Wachstum einher: 1854 beschäftigte das Berliner Unternehmen etwa 120, 1867 bereits rund 500 Mitarbeiter, von denen der größere Teil in der Lampenproduktion tätig war.
Einen Höhepunkt der Firmengeschichte bildete das 100-jährige Firmenjubiläum 1863, das in Berlin unter großer öffentlicher und staatlicher Anteilnahme gefeiert wurde. Anlässlich des Jubiläums erhielt das Unternehmen zahlreiche Ehrungen. Ein erhaltenes, von C. Schütz entworfendes Gedenkblatt zum 100-jährigen Firmenjubiläum zeigt die drei Generationen Johann Heinrich, Christian Heinrich und Gustav Stobwasser. Es war Julie Stobwasser, geb. Natorp, der Witwe Christian Heinrichs und Mutter Gustavs, in tiefer Ehrerbietung von früheren und damaligen Mitarbeitern der Fabrik gewidmet.
Auch international gehörte das Unternehmen inzwischen zu den bedeutenden Herstellern von Beleuchtungsgeräten. Auf der Pariser Industrieausstellung von 1867 war Gustav Stobwasser Mitglied der internationalen Jury; zeitgenössische Darstellungen bezeichneten ihn als einen der führenden deutschen Lampenfabrikanten. Auf der Wiener Weltausstellung 1873 wurde die Berliner Lampen- und Bronzewarenfabrik als Hersteller von in großen Stückzahlen gefertigten Marktprodukten hervorgehoben. Damit hatte sich das Unternehmen weit von der kunsthandwerklich geprägten Lackwarenmanufaktur seiner Anfangszeit entfernt und zu einem bedeutenden industriellen Hersteller entwickelt.
Die Lackwarenproduktion verlor währenddessen zunehmend an Bedeutung. Mitte des 19. Jahrhunderts hatte die Lampenherstellung sie bereits überholt; später wurde die Fertigung traditioneller Lackwaren vollständig eingestellt. Die unter Christian Heinrich eingeleitete Erweiterung der Produktpalette erwies sich damit als entscheidend für die weitere Entwicklung des Unternehmens.

Die spätere Unternehmensgeschichte lässt sich aufgrund der lückenhaften Überlieferung nicht in allen Einzelheiten zuverlässig rekonstruieren. Die Berliner Lampen- und Bronzewaaren-Fabrik vorm. C. H. Stobwasser & Co. Actien-Gesellschaft ist jedoch noch in den 1880er Jahren sicher nachweisbar; ein Eintrag im Deutschen Reichsanzeiger belegt die Aktiengesellschaft beispielsweise noch 1886 als Hersteller von Tisch- und Hängelampen.
